THüLSFELDE - Das Angelverbot in der Thülsfelder Talsperre wird mindestens bis Ende 2010 bestehen bleiben. Hauptgewässerwart Knut Tholen schließt eine weitere Verbotsverlängerung nicht aus: „Das hängt davon ab, wie sich der Fischbestand im Stausee erholt und sich neu eingesetzte Fische etablieren können.“ Das Wasser der Talsperre war – wie berichtet – im Februar nach dem Bekanntwerden schwerer Baumängel am Auslaufbauwerk in die Soeste abgelassen worden. Damit verschwanden auch die meisten Fische aus dem beliebten Angelrevier.
Große Fische beobachtet
Geblieben ist im restlichen Wasser der Talsperre ein kleiner Bestand an ausgewachsenen Laichfischen. Knut Tholen: „Nach Sonnenuntergang habe ich vor einigen Tagen große Brassen, schwere Karpfen von gut 15 Kilogramm Gewicht und Welse von 1,50 Meter Länge beobachten können.“ Diese Fische konnten überleben, weil die Talsperre über den Zulauf der Soeste regelmäßig mit frischem Wasser und Sauerstoff versorgt wird. Tholen: „Pro Sekunde fließt über die Soeste ein Kubikmeter Wasser in die Talsperre. Der Stausee funktioniert lediglich als Durchlauf.“
Mit Hilfe regelmäßiger Messungen untersuchen Tholen und die Mitglieder der Fischereigemeinschaft Thülsfelder Talsperre die Wasserqualität. Dabei haben die Experten Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt, PH-Wert, Phosphate und Nitrate genau im Blick. Knut Tholen: „Trotz steigender Außentemperaturen sind alle gemessenen Werte im grünen Bereich.“ Sollte es jedoch wärmer werden, kann es zu einer vermehrten Algenbildung im Wasser kommen. Das führt in den Nächten zu Sauerstoffmangel in der Talsperre. Sollte dieser Fall eintreten, muss die Fischereigemeinschaft die Laichfische bergen und in andere Teiche umsetzen. Knut Tholen: „Das ist technisch schwer umsetzbar. Die Gefahr ist groß, dass Fische verletzt werden.“
Aus diesem Grund haben der Landesfischereiverband Weser-Ems und der Fischereiverein für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht, die gemeinsam die Fischereigemeinschaft Thülsfelder Talsperre bilden, sich Rat von Experten geholt und beispielsweise mit Fischmeister Fritz von Heidebrand von den Ahlhorner Fischteichen gesprochen. Knut Tholen: „Diese Experten raten davon ab, die Fische schon jetzt zu bergen. Diesem Ratschlag folgen wir.“
Sollte sich wegen steigender Temperaturen dennoch ein Fischsterben ankündigen, stehen die Angler „Gewehr bei Fuß“. Nach Angaben von Knut Tholen stehen Boote und Geräte bereit, um die Laichfische aus der Talsperre zu holen.
Jungfische aussetzen
Die vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Auftrag gegebenen Reparaturarbeiten am Auslaufbauwerk sollen bereits in einigen Wochen abgeschlossen sein. Dann kann die Talsperre wieder aufgestaut werden. Und erst dann wird der Fischbestand langsam wieder aufgebaut. Knut Tholen: „Wir werden frühestens im Herbst wieder Jungfische aussetzen.“
Millionenschaden
Am 16. Februar 2009 teilte der NLWKN erstmals öffentlich mit, dass das Wasser der Thülsfelder Talsperre wegen der Baumängel abgelassen werden musste. Der Damm des Stausees drohte damals zu bersten. Inzwischen beschäftigt der Skandal um den Pfusch am Bau auch den Landtag und die Landesregierung. Der Sachschaden geht in den Millionenbereich. Die Auswirkungen für den Tourismus sind noch gar nicht abzuschätzen.