Wappen Fischereiverein für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht e.V.

Keine Angst vor belastetem Fisch
Angler begegnen Warnungen mit Skepsis – Gute Gewässerqualität
Aale und Brassen aus heimischen Gewässern könnten unbedenklich verzehrt werden. Das meint Hauptgewässerwart Knut Tholen vom Fischereiverein Friesoythe.

von Heinz-Josef Laing, NWZ Friesoythe, 20.07.11

Knut Tholen bei der Arbeit: Regelmäßig beprobt er die Wasserqualität, wie hier im Küstenkanal. - Klicken zum Vergrößern Friesoythe - Während die Behörden vor dem Verzehr von Aalen aus niedersächsischen Flüssen warnen und auch Brassen nicht unbedenklich sind, vermittelt Knut Tholen ein weniger dramatisches Szenario von der Angler-Front: „Wenn ich Aale oder Brassen im Küstenkanal fange, werden sie selbstverständlich gegessen.“ Der Hauptgewässerwart des Fischereivereins für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht betrachtet die Warnungen vor zu hohen Belastungen mit Schwermetallen und Giften in Fischen mit Skepsis: „Die Güte unserer Gewässer ist so gut, dass die dort gefangenen Fische unbedenklich verzehrt werden können.“

Bessere Kläranlagen
Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung in Hannover hatte 2009 und 2010 Aale und Brassen aus den großen Flüssen im Lande untersuchen lassen. Elbe, Weser, Ems, Leda und Aller dienten als Untersuchungsräume. Dort kam es zu Überschreitungen der zulässigen Höchstmengen für Dioxine und Pestizide. Aale waren stärker als Brassen belastet.

„Die Auffälligkeiten in Leda und Ems sind bei weitem nicht so groß wie in der Elbe,“ kommentiert der Experte vom Fischereiverein die Ergebnisse der landesweiten Untersuchungen. Vor 20 bis 30 Jahren seien auch die Gewässer in unserer Region stärker mit Schwermetallen und Giften belastet gewesen, erinnert sich Tholen. Doch weil die Kommunen im Laufe der Jahre ihre Kläranlagen ausbauten, zusätzliche Reinigungsstufen schufen und das geklärte Abwasser bessere Werte aufwies, gehe es auch den Fischen in Soeste, Marka, Leda und Küstenkanal besser.

Tholen ist als Hauptgewässerwart mit der regelmäßigen Beprobung des Wassers in den Flüssen betraut. Seine biologischen und chemischen Untersuchungen beweisen, dass die Wasserqualität in den Jahren immer besser geworden ist. Die Fische fänden beste Lebensbedingungen vor, stellt Knut Tholen fest.

Die Umsetzung der Bestimmungen aus der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU) aus dem Jahr 2000 habe inzwischen vielerorts Wirkung gezeigt und zu einer Verbesserung des Gewässerzustands beigetragen. Tholen: „Viele Gewässer können nun wieder in einen natürlichen Zustand gebracht werden.“ Den Fischen in diesen Flüssen der Region nutzt die hohe Gewässergüte. Knut Tholen: „Ich habe überhaupt keine Bedenken, die Fische aus unseren Gewässern zu verzehren.“

Viele Kleinstlebewesen
Vor einigen Tagen hat Tholen im Deelschloot in Neuvrees Proben gezogen und vor allen Dingen das Vorkommen von Kleinstlebewesen überprüft. Tholen: „Diese Kleinstlebewesen sind Indikatoren für die Gewässerqualität. Wir haben im Deelschloot sogar kleine Forellen gefunden, die im Frühjahr geschlüpft sind. Das ist ein wichtiger Beleg dafür, dass das Wasser in Ordnung ist.“ Es geht um Bachflohkrebse, Eintagsfliegenlarven, Köcherfliegenlarven oder Wasserasseln.

Die in der Gegend gefangenen Aale landen bei Knut Tholen auf dem Mittagstisch. Die „Unbedenklichkeitsbescheinigung“, die Tholen seinen Aalen ausstellt, hat einen reellen Hintergrund. Tholen: „Weil wir seit vielen Jahren mit speziellen Besatzprogrammen immer wieder junge und unbelastete Aale in den Gewässern aussetzen, erholt sich insgesamt der Aalbestand.“



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